„Kassel entrüsten!“ – Aktionswoche gegen Rüstungsindustrie wurde am Sonntag eröffnet

Kassel. Bei strahlendem Sonnenschein versammelten sich am Sonntagnachmittag nach und nach immer mehr Menschen in festlicher Kleidung vor der documenta-Halle. Die „Zentralstelle für die Bearbeitung bürokratischer Missgeschicke“ (ZBBM) hatte zu einem Festakt im Rahmen der documenta eingeladen, welcher von dem etwa 40-köpfigen Chor und Orchester „Lebenslaute“ eröffnet wurde. Im Anschluss daran begrüßte Ernst Friedrich von der ZBBM das zahlreich erschienene Publikum. Er wies auf einen bürokratischen Fehltritt der Stadt Kassel hin, die 1960 die Ehrenbürgerschaft an „einen gewissen A. Bode verliehen“ habe. Fälschlicherweise habe es sich hierbei um den Rüstungsindustriellen August Bode gehandelt und nicht wie anzunehmen um den Begründer der documenta Arnold Bode. Jener August Bode habe bereits im Ersten Weltkrieg deutsche Panzer bauen lassen und auch heute noch produziere die Firma Kraus-Maffei Wegmann Panzer, die – wie aktuell heiß diskutiert – zum Beispiel nach Saudi-Arabien exportiert würden. Bei der Verleihung der Ehrenbürgerschaft müsse es sich insofern ganz offensichtlich um einen Fehler gehandelt haben. „Ein Industrieller und Konstrukteur, der sein Erfindergeist im Laufe zweier Weltkriege und darüber hinaus in den Dienst der Rüstungsproduktion stellt, kann für diese Ehre nicht in Frage kommen“ so Friedrich. Unter jubelndem Applaus des Publikums erklärte er die Ehrenbürgerschaft August Bodes daher für aberkannt. Die Verantwortung liege nun bei der Stadt Kassel, dieses Missgeschick zu beheben und stattdessen Arnold Bode, der im Nachkriegs-Kassel anstatt brauner Ideologie Raum für Moderne Kunst schaffte, als „rechtmäßigen Ehrenbürger A. Bode“ auszuzeichnen.
Dieser Festakt bildet den Auftakt einer einwöchigen Aktionswoche gegen Rüstungsindustrie und Militarisierung, durch die das Krieg(s)treiben vor Ort kreativ sichtbar gemacht werden soll. Entsprechend des Mottos der diesjährigen dOCUMENTA (13) „Collapse and Recovery“ (Zusammenbruch und Wiederaufbau) sollen hierdurch auch die Hintergründe und Schattenseiten des so erfolgreichen „Wiederaufbaus“ ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt werden. Als Anlaufstelle für alle, die sich informieren und Aktionen mitgestalten wollen, dient in der Zeit vom 17. bis 24. Juni 2012 täglich ab 17 Uhr die zusammen mit der Künstler*innengruppe andandand genutzte Turnhalle der Nachrichtenmeisterei.

Die Rede als pdf: Rede_A._Bode