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Der Widerstand rollt – Fahrrademo Kassel entrüsten

Als gelungener Abschluss der Aktionswoche zur Rüstungsproduktion machten sich am Sonntag über 100 Fahrradfahrer*innen auf den Weg zu den verschiedenen Rüstungsproduktionsstandorten im Kasseler Norden. Vor Wegmann und Rheinmetall wurde erneut über die rüstungspolitische Bedeutung dieser Standorte informiert und mit Unterstützung der Beatpoeten und Fahrradgeklingel lautstark die Abschaffung bzw. der Umbau dieses Industriezweiges gefordert.
Begleitet von einer fahrbaren Bühne und einem “3 Liter Panzer“ auf dem Fahrradanhänger ergab die Demo ein buntes Bild verschiedener pedalbetriebener Fahrzeuge.

Zur Auftaktkundgebung wurde der Bezug zur dOCUMENTA(13) hergestellt: In Kunstwerken, performativen Prozessen, Filmen, Gesprächen und Erzählungen dieser documenta wird immer wieder das Motiv „Collapse and Recovery“ – Zusammenbruch und Wiederaufbau aufgenommen und berührt: Kassel als Rüstungszentrum und Stadt Freislers, die durch Krieg und Zerstörung besonders gezeichnet, gestaltet und verändert wurde.
Die Kontinuität der Produktion von Waffen und Kriegsmaschinerie, die kaum 10 Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges wieder aufgenommen wurde, zeigt zum einen die Ignoranz gegenüber der Geschichte aber auch die Bedeutung der Rüstungsproduktion für den Wiederaufbau der Stadt.

Auf der Abschlussdemonstration am Ende der Aktionswoche wurde nochmals lautstark gegen diese Selbstverständlichkeit des Rüstungsstandortes Kassel und gegen die vermeintliche Notwendigkeit von Rüstungsproduktion protestiert. Am Ende stand der Aufruf zu weiterem Widerstand für ein Leben ohne Rüstung, in Kassel und überall!

Fahrraddemo am Sonntag

Am Sonntag um 11 Uhr startet an der Ecke Grünen Weg / Reuterstraße (Haltestelle Erzbergerstraße) unsere Abschluss-Fahrraddemo mit dem 3-LiterPanzer und den Beat Poeten live auf unserer mobilen Fahrrad-Bühne!

Wer kein eigenes Fahrrad hat kann sich ein KONRAD ausleihen. Wie das funktioniert findet ihr hier:

KONRAD-Anleitung

eure Panzerknacker_Innen

Schützenpanzer im Edelrestaurant

Im Atrium am Bahnhof Wilhelmshöhe wurde am Freitagmittag offenbar das Panzer-Joint-Venture PSM geoutet, das sich zu gleichen Teilen im Besitz von Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall befindet. Zunächst verteilten vermeintliche Mitarbeiterinnen von PSM Panzerkekse als Dankeschön für die ruhige Nachbarschaft an die Gäste des Restaurants im Lichthof. Andere Aktivist*nnen machten mit bedruckten Schärpen auf den Sitz des Rüstungsproduzenten im Atrium aufmerksam. Außerdem wurden bunte Flyer im Gebäude verteilt. Weitere Flyer flogen später in den Lichthof.

PSM koordiniert den Bau und die Vermarktung des neuen Schützenpanzers „Puma“, der jetzt schon von der Bundeswehr in Afghanistan eingesetzt wird. Auf der PSM-Website werden die „weltweite Verlegbarkeit“, die „ausgezeichnete Feuerkraft“ und die „Hunter-Killer-Funktionalität“ des Panzers gerühmt. Dazu schreibt der Rüstungsexperte Lühr Henken: „Der Puma ist im urbanen Kampf das ideale Kampffahrzeug. […] Das Ziel ist es, den Puma für die Aufstandsbekämpfung einzusetzen“.
Den kompletten Text von Lühr Henken gibt es hier

Fashion Victims aufgepasst: Fette antimil T-Shirts und hippe Jutebeuten gibt’s am Infopoint

Am Donnerstag Nachmittag bedruckten Aktivist*innen und Besucher*innen der Turnhalle verschiedenste Textilien vom T-Shirt bis zur Jutetasche mit antimilitaristischen Motiven und Slogans. Unter großer Beteiligung entstanden individuelle Kunstwerke mit Blumenpanzern, dem Panzerknacker-Waschbären und Aufschriften wie z.B. „Kassel entrüstet sich“ oder „War starts here“. Als Unterstützung für die Aktionswoche werden T-Shirts und Taschen am Infopoint in der Turnhalle gegen Spende abgegeben.

Rüstungskonversion praktisch

Parallel zu den Aktivitäten in der Turnhalle hat am Donnerstag das Kasseler Friedensforum auf dem Friedrichsplatz symbolisch einen Panzer in einen Bagger umgebaut. Damit sollten die praktischen Möglichkeiten zur Rüstungskonversion (= Umstellung der Produktion von Waffen auf zivile Güter) dargestellt werden. Begleitet wurde die Aktion von einem mehrstimmigen Chor. In einer einleitenden Rede sprach sich das Friedensforum außerdem deutlich gegen den Export von Panzern aus Kassel z.B. nach Saudi Arabien aus.

Mit Kunstblut und Plastikpanzern gegen Rüstungsforschung

Im Rahmen der Aktionswoche gab es am Dienstag eine Aktion mit Kunstblut, Plastikpanzern und „Waffenkisten“ auf dem Campus der Uni Kassel. Der AK Zivilklausel hat damit auf seine Forderung nach einer militärfreien Forschung und Lehre an der Universität Kassel aufmerksam gemacht. Rüstungskonzerne und Militär haben an der Uni nichts verloren!

Nähere Infos zum AK und zur Forderung nach einer Zivilklausel für die Uni Kassel gibt’s auf der Website der Gruppe: http://zivilklauselkassel.blogsport.de

Graswurzel TV-Bericht online!

Der Filmbericht der Eröffnungsveranstaltung „Entzug der Ehrenbürgerschaft von A.Bode“ ist online!

Ihr findet diesen unter: http://graswurzel.tv

Vielen Dank für die tolle Dokumentation
Eure Panzerknacker_Innen

Monsterstadtspektakel

Am zweiten Aktionstag (Mo. 18.Juni) hat heute ein Rüstungsmonster Kassel heimgesucht. „Geld! Geld! Richtig fettes Geld!“ mit dieser Parole versuchte es die Leute davon zu überzeugen, wie toll und profitabel die Produktion von Waffen ist. „Was stört da schon, wenn die Panzer auch schießen?“ Begleitet wurde das Rüstungsmonster von einer lautstarken Sambaband und vielen Kisten voller „Kriegsspielzeug“!
Das Monster ist wie immer unersättlich: Waffen aus Deutschland werden heute in alle Welt verkauft; Griechenland bezahlt kurz vor dem Finanzkollaps für Panzer und U-Boote, Saudi-Arabien wird mit dem modernsten Kriegsgerät versorgt, während die saudische Armee im Nachbarland Bahrain den arabischen Frühling nieder schießt. Auch die Kasseler Rüstungskonzerne tragen erheblich dazu bei, dass Deutschland zum drittgrößten Waffenlieferant weltweit aufsteigen konnte. Auf seinem Weg durch die Kasseler Innenstadt machte das Rüstungsmonster klar, dass für die Schaffung von Arbeitsplätzen und Gewerbesteuern ein paar Tote in Kauf genommen werden müssen.

Heute, Mo. 18.06.2012 // 20.00 Uhr: Andandand // 1000 Gründe gegen Militarismus

Kassel – common ground = art… and war industry?

Kassel is famous for its baby – the documenta. Every five years it shares workshops, art installations and much more under this brand, inviting people from all over the world. Besides this, Kassel also houses world-famous arms producers. . The companies Krauss Maffei Wegmann (KMW) Rheinmetall and MAN produce tanks and other military vehicles with sounding names like “Leopard”, “Puma”, or “Boxer”. That´s one of the most important industries in the city. Together with hotspots in some other cities like Bremen or Munich, the arms industry in Kassel makes Germany the third biggest producer of weapons, tanks and other machinery of war. Nobody really likes to talk about it, but at the same time military equipment is a normal and profitable business. Arms producing firms “are bringing jobs to the region”, an argument which is not only used by the administration of the shiny documenta town. “If we are not doing it, other people/firms would do it” and “eventually there are just wars and humanitarian interventions for which we need to be armed”- these are some of the arguments you will immediately be confronted with if you start criticizing the business with death. But what´s the common ground we all can live on and aren‘t there still a thousand good reasons for not loving militarism – shouldn‘t we struggle to replace it?

Andandand // 1000 Gründe gegen Militarismus // Open Space // Mo. 18.06.2012 // 20.00 Uhr // Turnhalle der Nachrichtenmeisterei
Andandand // 1000 reasons against militarism // Open Space // Mo. 18.06.2012 // 8 p.m. // Turnhalle der Nachrichtenmeisterei

„Kassel entrüsten!“ – Aktionswoche gegen Rüstungsindustrie wurde am Sonntag eröffnet

Kassel. Bei strahlendem Sonnenschein versammelten sich am Sonntagnachmittag nach und nach immer mehr Menschen in festlicher Kleidung vor der documenta-Halle. Die „Zentralstelle für die Bearbeitung bürokratischer Missgeschicke“ (ZBBM) hatte zu einem Festakt im Rahmen der documenta eingeladen, welcher von dem etwa 40-köpfigen Chor und Orchester „Lebenslaute“ eröffnet wurde. Im Anschluss daran begrüßte Ernst Friedrich von der ZBBM das zahlreich erschienene Publikum. Er wies auf einen bürokratischen Fehltritt der Stadt Kassel hin, die 1960 die Ehrenbürgerschaft an „einen gewissen A. Bode verliehen“ habe. Fälschlicherweise habe es sich hierbei um den Rüstungsindustriellen August Bode gehandelt und nicht wie anzunehmen um den Begründer der documenta Arnold Bode. Jener August Bode habe bereits im Ersten Weltkrieg deutsche Panzer bauen lassen und auch heute noch produziere die Firma Kraus-Maffei Wegmann Panzer, die – wie aktuell heiß diskutiert – zum Beispiel nach Saudi-Arabien exportiert würden. Bei der Verleihung der Ehrenbürgerschaft müsse es sich insofern ganz offensichtlich um einen Fehler gehandelt haben. „Ein Industrieller und Konstrukteur, der sein Erfindergeist im Laufe zweier Weltkriege und darüber hinaus in den Dienst der Rüstungsproduktion stellt, kann für diese Ehre nicht in Frage kommen“ so Friedrich. Unter jubelndem Applaus des Publikums erklärte er die Ehrenbürgerschaft August Bodes daher für aberkannt. Die Verantwortung liege nun bei der Stadt Kassel, dieses Missgeschick zu beheben und stattdessen Arnold Bode, der im Nachkriegs-Kassel anstatt brauner Ideologie Raum für Moderne Kunst schaffte, als „rechtmäßigen Ehrenbürger A. Bode“ auszuzeichnen.
Dieser Festakt bildet den Auftakt einer einwöchigen Aktionswoche gegen Rüstungsindustrie und Militarisierung, durch die das Krieg(s)treiben vor Ort kreativ sichtbar gemacht werden soll. Entsprechend des Mottos der diesjährigen dOCUMENTA (13) „Collapse and Recovery“ (Zusammenbruch und Wiederaufbau) sollen hierdurch auch die Hintergründe und Schattenseiten des so erfolgreichen „Wiederaufbaus“ ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt werden. Als Anlaufstelle für alle, die sich informieren und Aktionen mitgestalten wollen, dient in der Zeit vom 17. bis 24. Juni 2012 täglich ab 17 Uhr die zusammen mit der Künstler*innengruppe andandand genutzte Turnhalle der Nachrichtenmeisterei.

Die Rede als pdf: Rede_A._Bode